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PÖẞNECK

500 Jahre Marktbrunnen

In aqua vita est – im Wasser ist Leben

Der Marktbrunnen ist ein Quell des Lebens. Vor der Entwicklung der zentralen Wasserleitungen zur Grundversorgung der Bevölkerung war der Marktbrunnen die Hauptwasserquelle für die Einwohner zahlreicher Städte, so auch in Pößneck. Sein Entstehen vor nunmehr genau 500 Jahren ist insofern ein sehr besonderes Jubiläum und allemal wert, einen Blick in seine Geschichte zu werfen.

 

Von der unteren Hainquelle gespeist, floss Wasser vermutlich schon seit 1350 durch Holzrohre zu einer Wasserentnahmestelle auf den Pößnecker Marktplatz. Wie diese ausgestaltet war, ist nicht überliefert. In der Übergangsphase vom Mittelalter zur Neuzeit war Pößneck eine blühende Stadt, die durch den Tuch- und Lederhandel mit anderen Städten florierte. Die Stadtväter waren entschlossen, diesen Wohlstand mit einem prunkvollen Rathaus im gotischen Stil und einer Vergrößerung des Marktes zu propagieren. Zudem fasste der Stadtrat 1520 den Beschluss zum Neubau eines großen und künstlerisch gestalteten Marktbrunnens, denn ein unscheinbarer Marktbrunnen passte nun nicht mehr zum repräsentativer gewordenen Stadtbild.

Im Januar 1521 begannen die Arbeiten unter der Leitung eines auswärtigen Meisters, welcher nur die besten Steine für den Pößnecker Marktbrunnen verwenden lies. Den Sandstein für die Beckenwände und Bodenplatten bezog man aus dem heutigen Stadtroda und den Sandstein für die Halbsäulen, Decksteine und den Mittelpfeiler aus Seebergen bei Gotha. Der ursprünglich neugestaltete Marktbrunnen hatte jedoch noch keine Brunnenfigur, so wie wir sie heute kennen. Vielmehr zierten den Aufsatz des Mittelpfeilers Löwenköpfe, ausgerichtet an den vier Marktseiten, aus dessen Mäulern das Wasser in den Brunnen floss. Die Skulptur des Mannes fand erst zu Anfang des 17. Jahrhunderts ihren Platz in der Mitte des Brunnens. Knapp 100 Jahre nach der Erbauung wurde durch die Stadtväter der Entschluss gefasst, die Löwenköpfe durch die Figur eines geharnischten Mannes zu ersetzen.

Im Laufe der folgenden Jahrhunderte wurde der Marktbrunnen mehrfach saniert und restauriert. Nach Plünderungen durch die Schweden im Dreißigjährigen Krieg, denen der Arm des Marktborn-Mannes zum Opfer fiel, musste dieser mehrmals neu befestigt werden. Doch trotz einiger Reparaturarbeiten verschlechterte sich der Zustand des Brunnens im Laufe der Zeit zusehends, sodass man einen Metallring um das Brunnenbecken anbringen musste, um ein Auseinanderbrechen zu verhindern. Diese unschöne Sicherheitsmaßnahme wurde später mit Hilfe von überwucherndem Efeu kaschiert.

 

In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der Brunnen dann umfassend erneuert und vom Efeu befreit. Noch heute ist der Wasserhahn in Form eines stilisierten Delphinkopfes zu sehen, der die Wasserentnahme aus dem Brunnenbecken verhindern sollte. Das heutige Marktbornmännchen wurde 1991 als Kopie des älteren gefertigt und thront seit nunmehr genau 30 Jahren auf der Mittelsäule unseres Marktbrunnes.

Noch mehr zur Geschichte des Pößnecker Marktbrunnens können Sie in der nächsten Ausgabe der „Pößnecker Heimatblätter“ (Nr. 3/2021, voraussichtlich ab September 2021 verfügbar auch in der Tourist-Information) erfahren, zusammengetragen und aufbereitet vom Pößnecker Heimatforscher Hans-Walter Enkelmann.

   

 

 

Fotos: 

1. Postkarte von 1905, zeigt Darstellung vor 1895 -St.ArchivPößneck,Sig.Ak41-94-2021_05_25_14_41_26

2. Ansichtskarte aus den 1930er Jahren - St.ArchivPößneck,Sig.Ak26-00-2021_05_25_14_47_44

3. Ansichtskarte mit Poststempel vom 31.8.1914 - St.ArchivPößneck,Sig.Ak102-96-2021_05_25_14_44_51

4. Ansichtskarte Anfang der 1940er Jahre, Foto Kohl-Otte - St.ArchivPößneck,Sig.Ak7-05-2021_05_25_14_50_42

5. Aufnahme aus dem Buch "Beiträge zur urkundlichen Geschichte der Stadt Pößneck" Ernst Koch, 4. Heft -Die Geschichte des Rathauses (1478-1899)